Anthill (oder: Käsetisch)


Zum alljährlichen Szenografie-Kolloquium der DASA (Arbeitswelt Ausstellung) in Dortmund wird traditionsgemäß der große Dinner-Abend von einem studentischen Team des Master-Studienganges Szenografie und Kommunikation der FH Dortmund bespielt. Geleitet wird das Seminar von Prof. Oliver Langbein.

Zum Thema „Ausstellung als sozialer Raum“ entwickelten wir ein völlig neues Tischkonzept. Saß man jedes Jahr an kleineren runden Tischen zusammen beim Abendessen, invertierten wir diese Situation und schufen nun eine unerwartete soziale Gruppenbildung.

Wir bauten aus ursprünglich ca. 3,5 Tonnen Holzplatten einen 21 m x 13 m langen Tisch, welcher aus fast 80 aneinander passenden, verschraubten Einzelelementen bestand. Es wurden ca. 500 IKEA-Tischbeine verbaut. Der Tisch hatte ausgeschnittene Kreise in verschiedenen Durchmessern und Gänge, welche Zugang zu diesen Kreisen gewährleisteten. Es handelte sich allerdings um einen einzigen zusammenhängenden Tisch, welcher nicht durch die Ausschnitte unterbrochen wurde. Es saßen also bis zu ca. 250 Menschen gemeinsam an einer großen Tischplatte.

Der Besucher setzte sich wie gewohnt mit seinen Freunden und Bekannten zum Unterhalten zusammen in denselben Kreis. Da man aber mit dem Gesicht nach außen saß, sah man nicht seinem Bekannten ins Gesicht, sondern oft mehreren unbekannten Menschen. Die gewohnte Gruppenbildung wurde durchbrochen, neue Kontakte konnten durch das Zufallsprinzip gebildet werden. Durch den kreisrunden Tischausschnitt hatte man auch nicht unbedingt nur ein festes Gegenüber, sondern konnte sich nach links und rechts drehen und ebenfalls gut unterhalten. Es gab auch Einzelpersonen-Löcher, in denen ein Drehstuhl bereitstand. In diesem konnte man sich um 360 Grad drehen.

Zudem arbeiteten wir mit stillen Projektionen. Diese zeigten wechselnde Halbportrait-Videoaufnahmen von Menschen, welche vor die dinierenden Gäste auf den Tisch projiziert wurden. Der Kontakt durch Blicke in die Kamera und das Beobachten der Handlungen Fremder seitens des Besucher öffnete eine neue Ebene sozialer Kommunikation. Anfangs filmten wir nur uns Studierende, richteten allerdings ein improvisiertes Live-Aufnahmestudio in der DASA-Stahlhalle ein. Vor Ort wiesen wir mit Schildern auf die Möglichkeit hin, sich filmen zu lassen und interaktiver Teil des abendlichen Szenografie-Projektes zu werden. So wurden die Besucher in die Projektionen integriert und konnten sich und Bekannte immer wieder auf dem Tisch wiederfinden.

Bis spät nachts (ein Uhr) saßen die Dinnergäste in unserer Tischlandschaft.

Dem Projekt gaben wir den Namen „Anthill“, da die Struktur aus Gängen und runden Räumen dem Inneren eines Ameisenbaus ähnelte – bekannt wurden wir allerdings wohl eher als „Käsetisch“, da die Ruhrnachrichten in ihrem Artikel über uns diesen Vergleich anbrachten (s. Foto, den Artikel finden Sie hier).

Die Umsetzung von der Lieferung der ersten Holzplatte an bis zum Tag des Dinners dauerte etwa anderthalb stramme Arbeitswochen. Die Konzeption und Planung erfolge als Seminar-Teamarbeit. Ich selbst entwarf den Basis-3D-Entwurf des Tisches, welcher dann noch gemeinsam im Detail angepasst wurde, in Cinema 4D und Adobe Illustrator. Außerdem arbeitete ich eng mit Geoffrey Burmester zusammen als Projektionsteam und leitete mit ihm den interaktiven Teil der Projektionen und die Videoaufnahmen vor Ort. Genutzt wurde das Videomapping-Programm Madmapper, um die Videofelder in einer Live-Performance auf den Tisch zu projizieren.

 

Das Team bestand aus: Sebastian Knipp, Geoffrey Burmester, Kevin Erlenbusch, Kaoutar Aboueloula-Peindl, Hantian Xu, Shanyu Gao, Nils Degenhardt, Sem Zywicki, Lisa Hinzmann, Juliette Palm, Anna Schedler, Mingyu Cheng, Laura Schöler und mir. Ein großer Dank auch an alle freiwilligen Helferinnen und Helfer, ohne die ein physisch so massiv großes Projekt nicht hätte zustande kommen können!

Für die Bereitstellung der Fotos danke ich Herrn Matthias Kleinen.